22. Sonntag im Jahreskreis
29.08.2010
Lesung: aus Jesus Sirach Evgl.: Lk 14, 1.7-11
17:00
Hammerstein (Kapelle) – Winzerfest
Gruß
Liebe
Schwestern und Brüder, liebe Kinder und Jugendliche,
weil
nachher das Winzerfest beginnt, haben wir die hl. Messe nach hier verlegt, weil
die Veranstalter hoffen, dass dann ein paar Leute schon einmal hier bleiben. Ich
glaube zwar kaum, dass man nach der hl. Messe, die ja um 18 Uhr beendet ist, draußen
sitzen bleibt und bis zur Eröffnung um 20 Uhr wartet – ich weiß es nicht – aber
es gibt noch einen anderen Grund, warum die hl. Messe heute und am nächsten Sonntag
hier in der Kapelle ist: wir haben seit am Montag die Orgelbauer in der Pfarrkirche.
Sie nehmen unsere Orgel auseinander, reinigen jedes kleine Teil, ergänzen was
kaputt ist und setzen sie dann wieder zusammen. Eine Heidenarbeit!
Und da die Einzelteile jetzt in der ganzen Kirche verstreut liegen, können
wir sie nicht für den Gottesdienst verwenden!
Das
ist der Hauptgrund. Also heute und am nächsten Sonntag: hier in der Kapelle.
Zum
Winzerfest brauche ich nicht viel zu sagen – es hat etwas mit unserem hiesigen
Wein zu tun, mit den Winzern, die ihn zusammen mit ihren Mitarbeitern herstellen,
ihn verkaufen - und mit dem lieben Gott, dem wir den Wein und alles andere verdanken.
Eigentlich feiern wir, wenn wir feiern, immer unser Leben – dann aber jeweils
unter einem anderen Gesichtspunkt. Heute unter dem Gesichtpunkt der Ernte des
Weins, der – wie schon die hl.Schrift weiß – des Menschen Herz erfreut. Während
der Koran nichts Gutes am Wein lässt, sondern ihn als Satans Werk verdammt, gibt
die Bibel wenigstens zu, dass er des Menschen Herz erfreut, aber sie schießt auch
wieder sofort eine Warnung aus: übermäßiger Gebrauch führt oft zu Leid und Verdruss.
Wissen wir. Trotzdem, in Maßen genossen, schmeckt er gut. Immerhin hat Jesus den
Wein beim Abendmahl als Getränk verwendet und Gott sei dank nicht bloß Wasser
– er sagt sogar zu dem Wein, dieser sei sein Blut und adelt ihn dadurch für alle
Zeiten! Wussten Sie, dass Sie ohne mich überhaupt nicht wüssten, dass bei der
hl. Messe Wein verwendet wird: ungehorsam wie ich bin, sage ich nämlich immer:
ebenso nahm er nach dem Mahl den Kelch mit Wein, dankte wiederum, reichte ihn
seinen Jüngern und sprach.... im Buch steht aber nur: ...nahm den Kelch, dankte
wiederum.... in allen Abendmahlsberichten ist immer nur vom Kelch die Rede, aber
nie vom Wein, der darinnen ist. Nun gut, wir wissen es!
Jetzt
aber preisen wir im Kyrie unsern Herrn und rufen ihn an um sein Erbarmen, vielleicht
gerade für die, die sich ein bisschen zu viel am Leben freuen!
Kyrie-Rufe
Christus,
du König der Könige und Herr der Herren, du stürzt die Mächtigen vom Thron und
erhöhst die Niedrigen.
Du
wirst am Ende alle Macht, Gewalt und Kraft vernichten.
Du
wirst dich dem Vater unterwerfen, damit Gott herrscht über alles und in allem.
Der
allmächtige Gott....
Gruß in Leutesdorf und Rheinbrohl
Liebe
Schwestern und Brüder, liebe Kinder und Jugendliche,
Herzlich
willkommen zur heiligen Messe in Leutesdorf / Rheinbrohl.
Im
Evangelium geht Jesus von einer peinlichen Situation aus, dass nämlich einer bei
einem Gastmahl den falschen Platz belegt und deshalb buchstäblich herabgesetzt
wird. Die Bibel ist aber kein Knigge, es geht um die Menschenwürde überhaupt:
deine Familie und die reichen Nachbarn sind nicht die einzigen, denen gegenüber
du verpflichtet bist! Lade Arme, Krüppel, Lahme und Blinde ein! Das wird dir vergolten
bei der Auferstehung der Gerechten!
Wir
preisen den Herrn im Kyrie und bitten ihn um sein Erbarmen mit unserer Schwachheit.
Ansprache
Liebe
Schwestern und Brüder, liebe Kinder und Jugendliche,
Wir
stellen uns einen Saal vor mit einem riesig langen Tisch. In der Mitte der langen
Reihe sitzt an einer Seite das Hochzeitspaar. Natürlich wollen die Verwandten
ganz in der Nähe sitzen und die guten Freunde, denn außer dieser Ehre ist dort
auch die Bedienung eifriger man bekommt vom Essen und Trinken mehr mit als die
andern.
Heute
löst man das Problem mit den Tischkärtchen.
Aber
Jesus beobachtet, dass bei einem Festessen, zu dem ein ranghoher Pharisäer eingeladen
hatte, sich die Gäste rasch auf die besten Plätze setzten – ich denke, dass er
sich darüber amüsierte, denn er kannte sie ja alle.
Wie
unser Jesus dann so ist (oder wie die Evangelisten ihn darstellen) nimmt er diese
Beobachtung sofort zum Anlass, ihnen eine Lehre zu erteilen.
Wär´
jetzt nicht so mein Fall!
Aber
– wir haben es ja gerade gehört – zuerst bringt er ihnen Anstand bei: pflanz dich
nicht sofort auf den ersten Platz, sondern lass anderen freundlich den Vortritt.
Und er verbindet das noch mit einer Schläue: wenn der Gastgeber dir dann einen
besseren Platz anweist, ehrt dich das, wenn er sagen müsste, setz dich da unten
hin, wärst du unsterblich blamiert. „Denn wer sich selbst erhöht wird erniedrigt
- und wer sich selbst erniedrigt wird erhöht werden“.
In
der Kirche erlebe ich das immer wieder: ich sage: kommt doch bitte etwas nach
vorne in Altarnähe wegen der Gemeinschaft, aber die Leute bleiben lieber ein bisschen
weiter hinten. Ich habe das einmal in Unkelbach einer Reihe von „Hinterbänklern“
gesagt und gefragt, weshalb.... Ihr hört doch hier nix und seht nix... da bekam
ich zur Antwort: dann simmer aber schneller draußen!
Aber
es bleibt bei Jesus nicht bei einer Anstandsregel, er will diesen Pharisäern –
das ist so eine Religiösenpartei – etwas von der Wertschätzung der Menschen in
den Augen Gottes sagen. Denn dem geht es um die inneren Werte, nicht um die Äußerlichkeiten.
Denken
Sie an die Fürstenbilder in den Schlössern und Palästen. Schauen Sie sich sogar
die Päpste und Bischöfe in den Kathedralen an, die da in Marmor gehauen sind.
Wenn Sie denen im Geiste die Hosen und die Röcke und die Mäntel und die Kronen
und Mitren und die Stäbe aus der Hand nehmen und sie sich in Badekleidung vorstellen,
dann sind die nicht mehr als Sie selber. Wenn Sie die heutigen Machthaber ihrer
Äußerlichkeiten entkleiden, dann sehen Sie, wer sie wirklich sind. Wenn sie dann
z.B. vor den Untersuchungsausschüssen oder vor dem Richter sitzen: top gekleidet.....,
aber sie sitzen da, weil sie möglicherweise nichts als elende Verbrecher sind,
Riesensummen dem Volk oder ihrer Firma oder wem auch immer gestohlen haben. Dort
können sie dann kaum mit ihren Klamotten punkten, da müssen sie Farbe bekennen.
Vor
Gott und genauso vor den aufmerksamen Menschen zählt nicht der Schein, sondern
das Sein.
Aber
dann gibt Jesus noch eine Anregung, die uns immer ein bisschen wurmt! Wenn du
ein Fest feierst, dann lade nicht nur deine Freunde ein und die, denen es sowieso
schon gut geht ein, sondern lade die ein, die sonst keinen Grund zum Feiern haben.
Das
ist an Weihnachten immer so ein unterdrücktes Thema.
Natürlich
wissen wir an solchen Tagen, wer in der Nachbarschaft jetzt trocken und alleine
herumsitzt und wem es jetzt vielleicht gar nicht um eine Weihnachtsgans geht,
sondern um ein Stückchen Aufmerksamkeit, um die Gesellschaft mit ein paar guten
Menschen, um ein bisschen menschliche Wärme und menschliches Licht. Es fällt uns
nicht so schwer, in der Weihnachtsmette einen Schein in den Klingelbeutel zu werfen,
mit dem dann irgendwelchen anonymen Menschen irgendwie geholfen wird. Es fällt
uns schwer, einen "armen Teufel" einzuladen, der sich ja möglicherweise
gar nicht zu benehmen weiß, der dann möglicherweise die Stimmung trübt, wenn er
von seiner Not erzählt, den wir nicht kennen und der dann ja auch ein Geschenk
bekommen müsste und so. Wir reden uns raus. Aber wenn „der Geringste deiner Brüder“
eventuell der Jesus selber ist, dann hat der auf unseren Festen nicht viel zu
lachen!
Also
hier geht es auch nicht um Weihnachten, sondern um den ganz normalen Alltag. Jesus
verkündet gewiss eine Anstandsregel, aber die hat es deswegen in sich, weil es
um die Anerkennung des Wertes deines Bruders und deiner Schwester geht. Die Situation,
um die es Ihm geht, ist prinzipiell der Umgang mit den Menschen.
Ich
war kürzlich in einer Familie, in der die Frau bis vor ein paar Wochen Rektorin
einer Schule in einem „sozialen Brennpunkt“ einer Stadt war – sie ist jetzt pensioniert.
Ihr Ehemann ist Bewährungshelfer, noch in Dienst. Ich kann Ihnen sagen, da ist
gelebtes Christsein! Was die und wie sie es erzählt haben! Solche Berufe sind
ziemlich eingespannt in Gesetze und Vorschriften, die einem den Umgang mit armen
oder mit schuldigen Menschen zu erleichtern. Aber da kann man lernen was Anerkennung
von Menschenwürde heißt. Man kann das, was sie anstellen und wie sie sich verhalten,
verurteilen, aber man kann auch fragen wodurch sie dorthin gekommen sind und dabei
kann man sie schon entlasten, ihnen Mut zusprechen, ihnen gangbare Schritte zu
zeigen, ein stückweit mit ihnen gehen... Einen Menschen lieben – was ja bekanntlich
das oberste Gebot in unserer und auch in anderen Religionen und Gesellschaften
ist, heißt ja nicht nur knutschen und betütteln, so schön das auch ist, aber es
heißt vor allem: sich um ihn kümmern und bemühen, sich Zeit für ihn nehmen, ihm
zuhören – und was nicht alles -, ihm genauso viele Vorteile verschaffen, wie sich
selbst..... Jetzt sage ich es noch mal: „was ihr einem meiner geringsten Brüder
und Schwestern getan habt, das habt ihr mir getan“ - also das heißt Menschendienst
ist Gottesdienst – und wenn einer Gott gar nicht dienen will, weil für ihn ein
Gott nicht existiert, der kann wenigstens hören wie Jesus sagt: „liebe deinen
Nächsten wie dich selbst“ – das wäre eine Menschheitsethik, die uns, wo auch immer,
gut und froh leben ließ. - Alle! - Selbst die Tiere!
Wenn
einer das „erste Gebot“ nicht halten kann, weil er nicht an einen „Gott“ herankommt,
dann soll er doch wenigstens das zweite halten: „liebe deinen Nächsten wie dich
selbst“.
In
Religionen, in denen ja „Gott“ oder „Götter“ eine Rolle spielen, geht das erste
Gebot oft auf Kosten der Menschen, weil Unmenschlichkeit paradoxerweise oft mit
„Gottes Wille“ begründet wird. - -
Aber
wenn Sie das nicht glauben, dann schauen sie einmal dorthin, wo dieses zweite
Gebot de facto nicht gilt: es ist auch genau dieses Klientel von der Rektorin
und dem Bewährungshelfer: Alleinerziehende, denen man mit ihren Kindern keine
Chance gibt, Migranten, die den Anschluss nicht finden, geistig oder körperlich
Behinderte, die keinen Platz und erst recht keine Arbeitsstelle finden können...
Sie wissen, was ich meine.
So
etwas wollte Jesus – glaube ich – diesem hohen Pharisäer und den Menschen seiner
Zeit sagen. Und wenn wir uns nach 2000 Jahren und in einer ganz anderen Kultur
trotzdem diesen Schuh anziehen, dann können wir unseren Mitmenschen und uns selbst
das größte Geschenk geben, das es gibt: Menschenwürde, Menschenliebe.
Profis der Wohltätigkeit,
Weltmeister im Spenden sind wir ja!
Doch
wie viel schwieriger ist es, sich hinab zu beugen
zu denen
die man lieber nicht sieht,
den Armen zu begegnen von Mensch zu Mensch.
Lade den ein
dessen Freundschaft niemand braucht
vielleicht gibt es etwas
das du finden kannst
nur bei den Armen
Guido Groß
Schlussgebet
Gütiger
Gott,
dein
Sohn ist gekommen, um zu dienen,
und
ist uns vorausgegangen auf dem Weg zu dir.
Gib
uns die Kraft, seinem Beispiel zu folgen,
und
lass uns Aufnahme finden in deinem Reich.
Darum bitten wir im Heiligen Geist durch Christus,
unsern Herrn
Amen.
Liebe Schwestern und Brüder,
wochenlange Regenfälle haben große Teile Pakistans
unter Wasser gesetzt. Viele Millionen Menschen sind davon betroffen. Straßen,
Brücken und Häuser wurden zerstört. Dörfer und Städte sind von der Außenwelt abgeschnitten,
Trinkwasserquellen verunreinigt. Seuchen bedrohen die Menschen, vor allem die
Kinder. Unzählige sind ohne Obdach. Der Generalsekretär der Vereinten Nationen
hat die Flutkatastrophe in Pakistan einen „Tsunami in Zeitlupe" genannt.
Das heißt: Je länger die Überflutungen andauern, desto größer werden die Zerstörungen.
Wir deutschen Bischöfe rufen Sie alle, liebe Schwestern
und Brüder, zur Unterstützung der Not leidenden Menschen auf. Die internationale
Hilfe ist zwar angelaufen, und auch unsere kirchlichen Hilfsorganisationen geben
ihr Bestes. Es fehlt jedoch an ausreichenden finanziellen Mitteln, um wenigstens
das schlimmste Elend zu bekämpfen. Deshalb soll in allen Gottesdiensten am kommenden
Sonntag eine Sonderkollekte abgehalten werden.
Schon zum zweiten Mal in diesem Jahr sind wir angesichts
einer verheerenden Naturkatastrophe zu besonderer Hilfe gerufen. Aber Not kennt
keinen Kalender. Als Christen wissen wir: Gott ist den Notleidenden in besonderer
Weise nahe. Wenn wir ihnen solidarisch zur Seite stehen, folgen wir dem Beispiel
Jesu.
So bitten wir Sie um Ihr Gebet für die Menschen
in Pakistan und um eine großherzige Spende am kommenden Sonntag. Auf diese Weise
kann durch unsere bewährten Einrichtungen umgehend weitere Hilfe geleistet werden.
Allen, die einmal mehr ein wirksames Zeichen der Nächstenliebe setzen, sagen wir
ein herzliches Vergelt's Gott!
für das Bistum Trier
Dr. Stephan Ackermann
Am
nächsten Sonntag ist in Rheinbrohl Kirmes //
in
Hammerstein die hl. Messe in der Kapelle //
und
in Leutesdorf die Sonntagvorabendmesse um 16 Uhr in Verbindung mit der
Goldhochzeit von Alice und Rudolf Kranz.